Pupplay Rudel: Familie statt Gruppensex?

Viele Rudel in der Pupplaycommunity in NRW sind präsent. Die Außendarstellung und Mitwirkung in der Community ist aber sehr unterschiedlich ausgeprägt. Von kleinen privaten Gruppen, bis hin zu großen Rudeln mit offenen Treffen. Vieles ist vertreten. So unterschiedlich Rudel sich organisieren, so unterschiedlich sind die konkreten Erwartungen an ein Rudel. Was ist also ein Rudel? Damit befasst sich diese Serie.


Um zu verstehen, was die Funktion eines Rudels ist, wurden die Teilnehmer der Umfrage um eine freie Antwort gebeten. Auf die Frage "Warum bist du in deinem Rudel?" gab es 40 Aussagen, elf Nicht-Rudelmitglieder äußersten sich zu der Frage "Was denkst du, warum gibt es Rudel?", neun freie Texte gab es zur Frage "Warum möchtest du in ein Rudel?". Insgesamt lässt sich eine Tendenz ableiten, und ein Unterschied in er Gewichtung zwischen Rudelmitgliedern und Nicht-Rudelmitgliedern feststellen.


Von Außen betrachtet kann man vier große Themenbereiche abstecken, was die Vermutung betrifft, warum es Rudel gibt, beziehungsweise, welche Funktion ein Rudel haben kann. Nicht-Rudelmitglieder sehen zusammenfasst folgende Funktionen (in der Reihenfolge der Gewichtung):

  1. Gemeinschaft
  2. Freundschaft
  3. Sexualität/Fetisch
  4. Machtausübung/Hierarchie

Hauptsächlich und mit Abstand wird vermutet, dass ein Rudel zur Bildung einer Gemeinschaft dient. Es geht um Gemeinsamkeiten, Gruppengefühl und um soziale Kontakte - im Kern ein Grundbedürfnis des Menschen "nicht alleine zu sein". Die Antworten lassen aber eher auf eine lockere Gemeinschaft schließen, dessen Basis das Pupplay ist. Der Aspekt Freundschaft wird - bis auf in einer Antwort - nicht konkret genannt. Expliziter wird einem Rudel Sexualität, Macht und Selbstdarstellung unterstellt. Da es hier aber nur elf Antworten gegeben hat, ist dies nicht als Gesamtverständnis der Community zu sehen, es ist ein kleiner Ausschnitt, der aber zeigt, wie unterschiedlich die Meinungen ausfallen. Zur Verdeutlichung ein Zitat zu jedem Punkt:

Zitat von Was denkst du, warum gibt es Rudel?

1) Weil Menschen ungerne alleine sind.
2) Sie dienen eigentlich der Freundschaft und Freude, dem Spaß an der Sache.
3) Für Gruppensex oder eine Rechtfertigung für Sex außerhalb der Beziehung.
4) Damit Puppies ihren Fetisch in einer Gruppe mit Hierarchie ausleben können.

Gezielt gefragt, ob und warum man selbst einem Rudel beitreten möchte ergeben sich detailliertere Aspekte in neun Antworten, die zusammengefasst alle die eine Erwartung haben: Soziale Kontakte in der Pupplay Community. Ob die Kontakte nun eine lockere gemeinsame Freizeitgestaltung, Freundschaften oder sogar eine Art Familienanschluss bedeuten ist dann wiederum sehr individuell.


Als gemeinsame Basis ist das Pupplay zu sehen, dass eine Grundverbindung schafft. Darauf soll ein sozialer Kontakt unterschiedlicher Intensität aufgebaut werden. Der Wunsch nach sexuellen Aktivitäten wurde hier nicht genannt. Scheinbar weichen hier die allgemeine Meinung, ein Rudel habe auch einen sexuellen Aspekt, von den Erwartungen Interessierter ab, die ein Gemeinschaft und Freundschaft suchen.


Von Innen betrachtet kann man nur noch zwei Schwerpunkte deutlich herausarbeiten, welche Funktion ein Rudel haben kann oder soll. Genauer gesagt, welche Erwartungen ein Pup an ein Rudel stellt. Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass dies der Wunsch an ein Rudel ist und nicht den Ist-Stand wiederspiegelt.

  1. Freundschaft und Familie
  2. Gemeinschaft

Die Antworten der Rudel-Mitglieder sind sehr differenziert, decken sich aber grundsätzlich mit der Sicht von Außen auf ein Rudel. Soziale Kontakte sind die Hauptfunktion eines Rudels. Aber deutlich wird ein Unterschied: Die Erwartung der Rudelmitglieder geht über eine Gemeinschaft zum Beispiel zur gemeinsamen Freizeitgestaltung hinaus. Freundschaft und sogar Familie sind häufig verwendete Begriffe, das Ausleben von Sexualität wurde nicht genannt.


So ist hier eine Übereinstimmung zwischen Mitgliedern und Interessierten in den Ausführungen zu sehen: Gemeinschaft und Freundschaft steht im Vordergrund, Sex wird nicht thematisiert. Darüberhinaus gibt es aber auch Rudelzugehörigkeit, die nicht gezielt den Aufbau von Gemeinschaft und Freundschaft als Zweck hatte. Eher ein zufälliges Beitreten durch bereits freundschaftliche Kontakte, oder einfach ein "weil ich gefragt" wurde kann ausschlaggebend sein. Es schwingt in einigen Antworten auch ein kritischer Blick gegenüber der Community, so sei diese zu unpersönlich oder zu sexualisiert. Zur Verdeutlichung der Diversität im Detail einige ausgewählte Zitate:


Eine Zusammenfassung der Erwartungen an ein Rudel ist einfach formuliert - und nicht überraschend: Dem Rudel wird vorrangig eine soziale Funktion unterstellt und abverlangt. Erkennbar ist ein Unterschied zwischen der Wahrnehmung von Außen und der Wahrnehmung von Rudelmitgliedern und auch von an einem Rudel interessierter Puppies. Es mag innerhalb der "großen" Community Vorurteile geben, dass Rudel auch zur Ausübung von Sexualität und Macht oder Hierarchie existieren. Freundschaft oder sogar familiäre Zusammengehörigkeit wird einem Rudel aber nicht aberkannt.
Ein Rudel soll den Aufbau und das Entwickeln von sozialen Kontakte ermöglichen oder erleichtern, und teilweise ist dies auch die Grundlage einer Rudelgründung überhaupt.


Daraus kann man an dieser Stelle aber schon ableiten, dass einem Alpha und einem Rudel in einem gewissen Umfang eine hohe Verantwortung abverlangt wird. Es geht nicht alleine um ein gemeinsames Pupplay, es geht um zwischenmenschliche Kontakte, und die Hoffnung, dass ein Rudel den Wunsch nach Kontakt, Freundschaft und Familie erfüllen kann. Die Erwartungen gehen weit über einfache gemeinsamen Freizeitaktivitäten hinaus. Es geht nicht nur um lockere Gemeinschaft, es geht auch um Sicherheit, Geborgenheit und um eine Anlaufstelle bei Problemen, von der man Unterstützung erwartet.


Im nächsten Teil wird das Gefüge innerhalb eines Rudels unter die Lupe genommen. Lassen sich die Umsetzungen des Rudels an den Erwartungen messen? Erfüllen Rudel die Erwartung nach Kontakten, Gemeinschaft und Familie?


Zu den vorherigen Artikeln: