Exkurs: Was ist ein Rudel bei Wölfen und Hunden?

Die Rolle des Hundes hat sich in der Entwicklung vom Wolf (Canis lupus) zum heutigen Haushund (Canis lupus familiaris) entwickelt und verändert. Das Verhältnis zwischen Mensch und Hund war und ist eine gemeinsame Abhängigkeit. Musste der Hund früher für den Menschen arbeiten, so ist diese Funktion in vielen Fällen nicht mehr gegeben. Eingesetzt in der Jagd, Rettung oder als Unterstützung für Blinde oder alte Menschen haben viele Hunde noch eine arbeitende Funktion, die meisten Hunde leben aber bei und mit ihren Herrchen und Frauchen ohne eine Aufgabe zu haben. Der Hund ist heute ein Sozialpartner des Menschen (siehe Dr. Feddersen-Petersen, Ausdrucksverhalten beim Hund, Kosmos 2008).


Verhaltensbiologisch stellt ein Rudel eine geschlossene und individualisierte Gruppe da (siehe Wikipedia), in der auch Rangordnungen bestehen können. Doch wie ist das zusammenleben organisiert, wie funktioniert ein Rudel bei den Wölfen, und wie bei den Hunden - auf die sich Rudel des Pupplay allzu gerne beziehen? Wie viel Mensch und Phantasie steckt hinter einem Puppy-Rudel-Gebilde?

Mutter, Vater, Kinder: Wölfe in freier Wildbahn leben in einer dem Menschen ganz ähnlichen Familienstruktur zusammen.

Einem Wolfsrudel wird allgemein oft noch eine starke Hierarchie unterstellt. Ein (männlicher) Alpha Wolf, der das Rudel leitet und darunter dann unterschiedliche Ränge in der Folge, bis runter zum Omega. Diese Ansicht ist wissenschaftlich überholt. Viele Beschreibungen des Sozialverhalten begründen sich auf Forschung mit Wölfen in der Gefangenschaft, was auf das Leben in natürlicher Umgebung nicht anzuwenden ist. Eine Hierarchie und Konflikte innerhalb der Gruppe darum enstehen erst dann, wenn der Lebensraum es erfordert. Meist in Gefangenschaft, wo Rudel nicht geschlossene Familien sein können und kein eigenes ausreichend großes Territorium zur Verfügung steht, bildet sich dann eine Struktur von Alpha bis Omega aus.


Vorstellen kann man sich ein Rudel besser als eine Familie, statt einer Diktatur. Sprich die einzelnen Mitglieder sind untereinander verwand und bilden eine soziale Gemeinschaft über mehrere Generationen. Es ist sogar möglich, dass fremde Wölfe geduldet werden (siehe Wikipedia), wobei im Durchschnitte die Rudelgröße sich nicht verändert (siehe NABU). In der Regel wird das Rudel von dem Elternpaar angeführt, gemeinsam nehmen sie also die Rolle des so genannten Alphas ein. Das Verhältnis zu den Nachkommen ist Dominant und besitzt Autorität, aber Kämpfe um eine Rangordnung finden nicht statt, was nicht heißt, dass es keine Konflikte gibt. Ruhe, Toleranz und Gelassenheit sind die Mittel der Eltern, das Rudel zu leiten.


Festzuhalten ist: es existiert kein einzelner (männlicher) "Alpha-Wolf", wie man ihn sich vorstellt. Die Eltern sind Leittiere und keine Herrscher (siehe CHWOLF).

Hunde sind keine Wölfe, dementsprechend können wir nicht davon ausgehen, dass sich das Verhalten von Wölfen auf Haushunde übertragen lässt.

Wie schaut es dann mit dem Hund aus - auf den sich Pupplay ja bezieht? Hunde können in seltenen Fällen überhaupt ein Rudel bilden. Die meisten Konstellationen bestehen aus einem oder zwei Hunden, die mit ihren Menschen zusammenleben. So existiert nicht die Möglichkeit, dass eine Gruppe von Hunden eine feste soziale Struktur untereinander - also ein Rudel - bilden können. Hund und Mensch zusammen sind nicht als Rudel zu sehen. Es ist eine gemischte soziale Gruppe (siehe Dr. Feddersen-Petersen). Hunde sehen Menschen nicht als Hund an, also kann ein Herrchen nie die Rolle eines "Alphas" einnehmen, doch akzeptiert ein Hund die Führungsrolle des Menschen (siehe Spiegel).


Unter Hunden kann man eine Rangordnung beobachten, doch ist diese nicht so statisch wie man denken mag. Es bildet sich in einer Gruppe ein Anführer heraus, der muss aber nicht eindeutig oder statisch sein (siehe einfach tierisch). Gruppen von Hunde sind meist temporär gebildet, zum Besipiel auf der Hundewiese. Sie können so also kein wirkliches Rudel nach Definition der Verhaltensbiologie darstellen.


An dieser Stelle sieht man schnell: Es gibt keine Eindeutigkeit und der Wissenstand ändert sich im Laufe der Zeit. Die Wissenschaft ist noch lange nicht an der Stelle, klar zu definieren. Und Hundetrainer schon gar nicht, denn auch hier heißt es "Zwei Hundetrainer, drei Meinungen". Das Thema und der Hund ist viel zu Komplex, umeine allgemein gültige Wahrheit definieren zu können.


Was bedeutet dies für das Puppylay Rudel? Die Erwartungen an das Pupplay Rudel ist der Definition eines Rudels entsprechend. In Bezug auf den Wolf, der einen Familienverband pflegt, stimmt das Pupplay Rudel hier überein. Die Erwartung an ein Rudel ist der soziale, freundschaftliche Kontakt bis hin zu einem familiären Verhältnis (siehe: Pupplay Rudel: Familie statt Gruppensex?). Auf eine biologische Verwandschaft wird im Pupplay dann aber doch verzichtet. Ab hier folgt dann aber oft das romantische Bild eines Wolfsrudels, wo eine Struktur vom Alpha als Chef bis hin zum Omega besteht. Ein Vergleich zum Verhalten von Hunden in einer Gruppe scheint auch nicht zur Übereinstimmung zu führen, was mögliche wechselnde Rollen angeht.


Fazit: Die Konstruktion eines Rudel im Pupplay lehnt sich an ein verklärtes, romantisches Bild über Strukturen eines Wolfsrudels an, indem dort oft - nicht immer - eine straffe Hierarchie von Alpha bis Omega und Anwärter kommuniziert wird. Pupplay ist ein Rollenspiel, ob sexuell oder nicht-sexuell ausgelebt. So definiert hier der Mensch nach einem Wunsch auch die Rollen in einem Rudel, ob spielerisch oder bis zu einem echten freundschaftlichen Verhältnis, ob streng hierarchisch mit Regeln und einem "dominanten Alpha" oder einer familiären Leitung und Organisation durch einen Alpha und seinen Vertreter.